emwe-Verlag-2017


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Glosse - Streetwork

Klaus Lutz / Detlef Menzke


Glosse zu landläufigen Sichtweisen
des Berufsfeldes „Streetwork“




Vorbemerkung

Bevor Sie diesen Text lesen, würden wir Sie bitten, ein Tablet, Smartphone, Computer oder ein anderes technisches Gerät mit Interzur Hand zu nehmen, denn erst in der Verbindung mit den im Text angegebenen Links entfaltet der Inhalt seine volle Wirkung. Natürlich können Sie auch nur den Text lesen oder die Links beAber glauben Sie uns, es ist wie bei einem guten Essen oder einem Konzert: Erst im Zusammenspiel entfaltet sich der volle Genuss.
Auf der Homepage des emwe-Verlages ist dieser Beitrag mit allen Links veröffentlicht. Gehen Sie einfach auf www.emwe-Verlag.de > „Glosse Streetwork“ und Sie können direkt auf Ihrem Gerät den Text lesen und gleichzeitig die Links aufrufen. Viel Spaß!
[Links zuletzt überprüft am 08.01.2017]


Guten Tag, ich bin euer Streetworker!
Ja, Streetworker, der Stammvater oder die Stammmutter aller Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter. In unserer Jugend – frühe 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts – waren wir angetreten, die Welt zu verbessern. Die Sozialarbeiter auf der Straße, die sich um all die kümmerten, die von der Gesellschaft alleine gelassen wurden, waren für uns junge Studierenden der Sozialen Arbeit die wahren Helden. Natürlich gab es auch Songs, die dieses Lebensgefühl transportierten und uns (auch heute noch) die Tränen in die Augen steigen lassen. Einer dieser Songs war Streets of London von Ralph McTell ( www.youtube.com/watch?v=J3Q6EuiypEU), der die Themen Obdachlosigkeit und Drogenabhängigkeit in das öffentliche Bewusstbrachte. Deutsche Texte waren in der damaligen Zeit dem Schlager vorbehalten. Durch die Übersetzung dieses Songs wurde aus der Hymne für alle Weltverbesserer leider ein kitschiger Schlager mit dem Titel „Straßen unserer Stadt“, vorgetragen unter anderem von Jasmin Bonnin ( www.youtube.com/watch?v=owKlPfkPJ8I).
Lange Zeit blieb die Arbeit der Streetworker ein wichtiges Element in der Betreuung von Bedürftigen jenseits von ordnungspolitischen Maßnahmen, geprägt durch professionelle Beziehungsarbeit. Aber die Erde steht nicht still. Vor allem die immer buntere Medienlandschaft bringt seltsame Blüten der Sozialarbeit auf der Straße ans Licht der Öffentlichkeit. Der Hessische Rundfunk strahlte einen Bericht unter dem Titel
„Mit Herz und Härte“ über eine neue Form des Streetwork aus: In Neu-Isenburg versuchen Kickboxer ohne pädagogische Ausbildung, Jugendliche wieder auf den rechten Weg zurückzuführen. Vielleicht hätten wir das gar nicht bemerkt, wenn die harten Jungs nicht auf YouTube zu kleinen Stars geworden wären. ( www.youtube.com/watch?v=UOJ--HIW7c8)
Nimmt man sich einen Abend Zeit und surft mit dem Stichwort Streetwork durch die unendlichen Weiten von YouTube, lässt sich noch viel Kurioses entdecken. Nicht ganz zu Ende gedachte Peer-to-peer-Ansätze ( www.youtube.com/watch?v=0vxgYQhLPgw) oder den angeblich ersten Streetworkerbus Deutschlands.
( www.youtube.com/watch?v=ptMxjNJy7l0)
Unsere nach immer mehr Sensationen heischende Medienlandschaft (oder sind es die Zuschauer, die immer mehr Privatsphäre im TV konsumieren wollen? – egal, lässt sich nicht so eindeutig sagen) hat auch die Streetworker als Protagonisten entdeckt. Neben Gerichtsserien, die Polizisten auf Streife begleiten, gibt es die Serie mit dem Streetworker Thomas Sonnenburg, der unter dem Titel
„Die Ausreißer - der Weg zurück“ Einblicke in die Arbeit der Streetworker bietet oder auch nicht. Wer weiß das schon.
( www.youtube.com/watch?v=ePte53ZhjGM)
Aber das Netz weiß sich zu wehren und kontert mit einer großartigen Parodie von
Switch Reloaded:
(www.youtube.com/watch?v=2KKmS44e78E)
Manchen Streetworkern gelingt es aber auch nicht, den notwendigen Abstand zu ihrer Klientel zu halten. Immer wieder treibt die Verbrüderung mit den Jugendkulturen seltsame Blüten. Wieder ist You- Tube eine großartige Fundgrube. Mit dem Song
„Ich bin der Streetworker hier und das ist mein Revier“ sind die Grenzen der notwendigen Professionalität zumindest angekratzt.
( www.youtube.com/watch?v=W7Avr7YZP-s)


Guten Tag, ich bin euer neuer Streetworker, Streetworker 2.0
Wenn es eine zentrale Aufgabe von Streetworkern ist, Räume zu schaffen, in den sich Jugendliche aufhalten können, so ist wohl Mark Zuckerberg, der Erfinder und Entwickler von Facebook, der größte Pionier im Bereich des Streetworks. Er hat den größten Raum – weltweit – in der letzten Zeit für Jugendliche geschaffen, in dem sie sich vermeintlich ohne Beobachtung von Erwachsenen aufhalten und kommunizieren können. Er weiß sehr viel über die Bedürfnisse der Jugendlichen, die sich in diesem virtuellen Raum aufhalten. Er ist ständig bemüht, diesen Raum an die vermeintlichen Bedürfnisse der Jugendlichen anzupassen. Er gibt keine Regeln oder zumindest wenige Regeln vor, nach welchen sich die Jugendlichen in diesem Raum richten müssen, in dem sie sich zu jeder Tages- und Nachtzeit aufhalten können. Also paradiesische Zustände für das neue Streetwork 2.0? Nein, natürlich nicht, denn das entscheidende Merkmal des Streetworks wird hier außer Acht gelassen. Hier wird die ehrliche Parteinahme für die Interessen der Jugendlichen durch kommerzielle Interessen ersetzt.
Aber die Medien und insbesondere das Netz verändern unser Leben in vielen Bereichen grundlegend. Diese Veränderungen machen vor keinen Lebens- und Arbeitsbereichen halt, auch nicht vor den Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit. Exemplarisch sollen hier einige Bereiche beschrieben werden, die diese Veränderungen im Bereich des Streetwork sichtbar machen.
Die Nutzung der Medien hat einen neuen Suchttyp hervorgebracht, den Internetabhängigen oder Videospielsüchtigen. Hierbei handelt es sich um Jugendliche, die ihre Zeit überwiegend in Sozialen Netzwerken oder mit Computerspielen verbringen oder mit beiden. Ein Suchttyp, der nicht an den Bahnhofsvorplätzen oder in Parks zu finden ist, sondern meist zuhause vor seinem Computer sitzt und nur über das Netz erreichbar ist.
( www.ardmediathek.de/tv/W-wie-Wissen/Internetsucht-Die-Sucht-der-Zukunft/Das-Erste/Video?bcastId=427262&documentId= 13509092)
Aber auch neue Werkzeuge für das Streetwork ergeben sich aus den vielen neuen Entwicklungen im Bereich der Medien. Hier sollen einmal zwei exemplarisch vorgestellt werden:
Das Autotracking:
Hierbei handelt sich um einen kleinen Clip (Kosten ca. 30 €), der per GPS jederzeit geortet werden kann – James Bond lässt grüßen. Alle Gegenstände, denen dieser Clip angeheftet wird, können jederzeit mit Hilfe eines Smartphones geortet werden und können so niemals wieder verloren gehen. Sei es die Ehefrau, der Ehemann, der Hausschlüssel oder das Haustier oder eben auch der Streetworker, wenn er mit solch einen Clip ausgestattet ist. Ein ganz neuer Ansatz von aufsuchender Sozialarbeit.
( www.youtube.com/watch?v=SZNaVAACTwI)
Ein weiteres Werkzeug könnte der Amazon-Dash-Button sein. Bestellen sie ihr Lieblingsprodukt per Knopfdruck, verspricht die Werbung. Mit dem Amazon-Dash-Button können viele Alltagsprodukte per Knopfdruck bestellt werden. Warum nicht an bekannten Treffpunkten im öffentlichen Raum einen Dash-Button mit der Möglichkeit der Bestellung eines Streetworkers anbringen? So kann bedarfsgerecht von Jugendlichen anonym Kontakt aufgenommen und die individuelle Betreuung gesteuert werden. Der angeforderte Streetworker erscheint dann binnen 10 Minuten, um die anstehenden Probleme zu besprechen. Auch wenn die Akkus der Handys der Jugendlichen leer sind und somit eine Kontaktaufnahme per Autotracking nicht mehr möglich ist, könnte der Dash-Button eine Alternative darstellen.
( www.prosieben.de/tv/galileo/videos/2016238-was-steckt-hinter-den-dash-buttons-von-amazon-clip)
Auch eröffnen die neuen Entwicklungen der Virtuellen Realität, in die man mit sogenannten VR-Brillen eintauchen kann, völlig neue Beratungsräume. Längst ist es nicht mehr notwendig, dass sich Jugendlicher und Streetworker physisch am gleichen Ort befinden, um sich „real“ zu begegnen. In Virtuellen Räumen lässt sich ein Zusammentreffen wie im realen Leben organisieren und vortrefflich Beziehungsarbeit betreiben. Dass dies Entwicklung aber noch in den Anfängen steckt, zeigt folgendes Video.

( www.youtube.com/watch?v=Qsna1ChGt0E&t=13s)
Anmerkung: Welche Werkzeuge aus der Medienwelt sich wirklich für das Streetwork eignen, können Sie in einem Beitrag in diesem vorliegenden Buch zum Thema „Straßensozialarbeit 2.0 – Webwork" als nützliche Ergänzung zur klassischen Streetwork nachlesen. Sie werden feststellen, dass Sie dem hier aufgezeigten Szenario nicht ganz unähnlich sind.

Ist der Streetworker der Zukunft noch aus Fleisch und Blut oder werden wir solche Aufgaben – wie auch schon in vereinzelten Bereichen der Pflege von alten Menschen- Robotern oder sogenannten Human Androiden überlassen? Wer Fan von Star Trek ist, kennt ihn sicher: Data, den Androiden. Er würde dank der Ausstattung mit seinem neuen Emotionschip, einen fabelhaften Streetworker abgeben. Erste Werbevideos solcher Human Androiden sind im Netz schon zu finden, auch wenn sie freilich noch sehr multifunktional ausgestattet sind und eine spezielle Gattung, die für das Streetwork noch nicht entwickelt wurde. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden.

( www.youtube.com/watch?v=lTGOjWv9fcQ)
Die Zukunft hält für das Streetwork aber noch viele weitere Herausforderungen bereit. Eine dieser Herausforderungen ist das
Darknet. Schon wieder eine neuer „Virtueller Raum“, in dem man sich unentdeckt aufhalten kann, verborgen vor den Augen neugieriger Erwachsener. Erst gar nicht zu reden von den unendlichen Weiten des Weltraums, die sicherlich auch neue Herausforderungen für das Streetwork der Zukunft bereithalten.
Es gibt viel zu tun, packen wir es an!




Zu den Autoren:

Klaus Lutz, Pädagogischer Leiter des Medienzentrums Parabol, Medienfachberater für den Bezirk Mittelfranken, 2. Vorsitzender des JFF - Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis, München.

Detlef Menzke, Dipl.-Sozialpädagoge (FH), Abteilungsleiter Kinder- und Jugendarbeit, Amt für Kinder, Jugendliche und Familien – Jugendamt Nürnberg.

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